Symposium auf dem DGfE-Kongress: Gesellschaftliche Brüche und Desintegrationsdiagnosen

Im Rahmen des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) richtete das ForDiSens-Team gemeinsam mit dem Team von Prof. Dr. Fabian Dietrich (Universität Bayreuth) am 25.3.2026 das Symposium „Gesellschaftliche Brüche und Desintegrationsdiagnosen: Aushandlungen zur Bedeutung von Schule und Lehrer*innen“ aus.

Ausgangspunkt dafür waren aktuelle Zeitdiagnosen, die gesellschaftliche Umbrüche und Desintegrationsprozesse beschreiben – und damit verbundene Erwartungen an Schule und Lehrkräfte, diesen Entwicklungen entgegenzuwirken. Das Symposium fragte danach, wie solche Erwartungen entstehen, wie sie pädagogisch gedeutet und wie sie in konkreten Kontexten bearbeitet werden.

Beiträge und Perspektiven

Die drei Beiträge des Symposiums näherten sich diesen Fragen aus unterschiedlichen theoretischen Perspektiven und anhand empirischer Analysen:

Fabian Dietrich, Elias Helget & Maria Höhlig (Universität Bayreuth) untersuchten, wie zivilgesellschaftliche Schulentwicklungsprogramme (z. B. in Form von schulischen Zertifizierungen) gesellschaftliche Problemlagen in schulisch bearbeitbare Anforderungen übersetzen. Dabei wurde sichtbar, dass solche Prozesse durch strukturelle Spannungen geprägt sind und grundlegende Fragen nach dem Verhältnis von Schule und Gesellschaft aufwerfen.

Daniel Diegmann (MLU Halle-Wittenberg) und Charlotte Dietel (Universität Jena) analysierten Lehrkräftefortbildungen als Orte der Übersetzung von Antidiskriminierung. Auf Basis ethnografischer Daten wurde gezeigt, dass Bedeutungen von Diskriminierung und diskriminierungskritische Normen nicht einfach übertragen werden, sondern in konflikthaften Prozessen verhandelt und neu hervorgebracht werden.

Nele Kuhlmann (Universität Jena) und Anna Moldenhauer (Universität Bremen) nahmen die Kooperation von Wissenschaft und Praxis in den Blick. Sie zeigten, wie Antidiskriminierung erst im Zusammenspiel beider Seiten als pädagogisches Problem konturiert wird – und wie dabei zugleich Fragen von Zuständigkeit, Expertise und Verantwortung ausgehandelt werden.

Kommentierung und Diskussion

Die Beiträge wurden von Kerstin Jergus (Universität Hamburg) und Matthias Proske (Universität zu Köln) kommentiert und gemeinsam diskutiert. Moderiert wurde das Symposium von Melanie Schmidt (MLU Halle-Wittenberg).

Im Zentrum der abschließenden Diskussion standen Fragen nach gemeinsamen Mustern der (Be-)Deutung, nach Spannungen zwischen gesellschaftlichen Anforderungen und pädagogischer Praxis sowie nach der Rolle von Schule im Kontext aktueller Krisen- und Desintegrationsdiagnosen.

Resümee

Das Symposium machte deutlich, dass Schule und Lehrkräfte in gegenwärtigen gesellschaftlichen Diagnosen eine zentrale Rolle zugeschrieben bekommen – diese Rolle jedoch nicht eindeutig ist, sondern in vielfältigen, von Brüchen und Spannungen geprägten Aushandlungsprozessen entsteht.

Gerade diese Brüche erweisen sich als analytisch produktiv: Sie machen sichtbar, wie gesellschaftliche Problemlagen in pädagogische Aufgaben übersetzt werden – und wie sich dabei das Verhältnis von Schule und Gesellschaft immer wieder neu formiert.

Foto von Daniel Diegmann: Vortrag von Nele Kuhlmann und Anna Moldenhauer.

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